Geschichte der FPV


Zwei Textstellen aus Vorträgen Rudolf Steiners seien hier vorausgeschickt.

«...es hat uns viel geschadet, dass immer wieder und wieder betont wurde: Waldorfpädagogik kann nur in abgesonderten Schulen erreicht werden, während ich immer wieder gesagt habe, das Methodische kann in jede Schule hineingebracht werden. » (28. Dezember 1923 anlässlich einer Sitzung des Schweiz. Schulvereins)

«Gewiss, will man rein in anthroposophischer Pädagogik unterrichten, braucht man Musterschulen; solche Musterschulen sind also schon dringend notwendig. Aber da die anthroposophische pädagogische Kunst zunächst ein Methodisch-Didaktisches sein soll, also das Wie des Unterrichts betont, so handelt es sich darum, dass sie überallhin, in jede Art von Schule, in jede Art des Unterrichts durch den einzelnen Lehrer gebracht werden kann.» (14. April 1924 im zweiten Vortrag des Zyklus «Anthroposophische Pädagogik und ihre Voraussetzungen»)

Unter den Zuhörern im Berner Rathaus am 14. April 1924 befand sich damals auch Friedrich Eymann, für den die Worte Rudolf Steiners schicksalshafte Bedeutung bekommen haben.

Der kritische junge Pfarrer aus dem Emmental beschloss, sich ernsthaft mit Steiner auseinanderzusetzen. In der Folge wurde die Anthroposophie zur Grundlage seines eigenen Denkens und Forschens. Eymanns Religionsunterricht am Seminar Hofwil sprach die jungen suchenden Menschen sehr an. Er stellte den erkennenden Menschen in den Vordergrund, im Gegensatz zur damaligen Reformationstheologie (Barth, Brunner), die dem menschlichen Denken ein tiefgründiges Misstrauen entgegensetzte. Eymanns Sicht beinhaltete nicht zuletzt auch eine pädagogische Herausforderung, die von den jungen Menschen dankbar aufgenommen wurde. In offiziellen kirchlichen Kreisen musste Eymanns Anliegen aber auf Unverständnis und Ablehnung stossen.

1936 erschien das Buch "Anthroposophische Pädagogik und Staatsschule", das Eymann zusammen mit dem Volksschullehrer Max Leist herausgab. In ihm unterzog er die damals bestehenden Schulformen einer harten Kritik. Weder die alte "Lernschule" noch die moderne "Arbeitsschule" entsprachen seinen pädagogischen Idealvorstellungen. Vielmehr schwebte ihm eine "Menschenschule" im Sinne Pestalozzis vor, der eine geisteswissenschaftliche Anthropologie zu Grunde liegt. Eymanns z.T. polemischen Ausführungen verletzten einzelne Kollegen; seine Stellung als Seminarlehrer wurde auch von dieser Seite her erschüttert.

1938 wurde Eymanns Lehrauftrag vom bernischen Regierungsrat auf Antrag der Seminarkommission nicht erneuert. Die Vorwürfe gegen ihn lauteten u.a.: Unkollegialität, Beeinflussung der Schüler im Sinne anthroposophischen Gedankenguts, was zu "Unordnung und Wirrwarr" in den Schulstuben geführt habe. Weder politische Interventionen im Bernischen Grossen Rat noch der Einsatz seiner Schüler um die Rehabilitierung hatten Erfolg: im Frühling 1939 ging Eymanns Lehrauftrag am Seminar zu Ende.

1942 schliesslich begründete er, zusammen mit einer grossen Anhängerschar, die heute noch bestehende und an die 700 Mitglieder zählende "Freie Pädagogische Vereinigung" (FPV). Ihre Aufgabe umschreibt er folgendermassen: "Die Freie Pädagogische Vereinigung stellt sich zur Aufgabe, die von Pestalozzi geforderte und von Rudolf Steiner begründete Erziehungsweise zu fördern und auszubauen...". Bei den Mitgliedern handelte es sich zunächst ausschliesslich um Lehrkräfte an der Staatsschule.

1946 wurde in Bern eine erste Rudolf-Steiner-Schule eröffnet. Initianten und treibende Kräfte waren junge Eymann-Schüler. Eymann selber unterstütze das Wachsen der jungen staatsunabhängigen Schule mit Rat und Tat.

Eymanns Tätigkeit ab 1939 war vor allem diejenige eines Mentors und Erwachsenenbildners. In regelmässigen Zusammenkünften erarbeitete er mit den im Schuldienst stehenden Lehrerinnen und Lehrer pädagogische, künstlerische und menschenkundliche Themen. Immer stand dabei anthroposophisches Gedankengut im Zentrum. Ab 1945 (und bis in die Gegenwart) findet jährlich in den Herbstferien eine "Studien- und Übungswoche für anthroposophische Pädagogik" in Trubschachen statt. Auch im Rahmen der Volkshochschule entfaltete Eymann eine überaus fruchtbare Vortragstätigkeit. Menschen aller Schichten gehörten zu seinen Zuhörern. Die wichtigsten Vortragsorte waren Bern, Biel und Thun, daneben sprach er aber auch in zahlreichen kleineren und grösseren Dörfern des Bernerlandes. Seine Wirksamkeit ging aber über den Kanton Bern hinaus, auch in anderen Schweizer Städten und gelegentlich im Ausland hielt er Kurse und Vorträge.

(Auszüge aus der Biografie Eymanns von Christian Bärtschi)